Gasvertrag kündigen: Musterbrief, Fristen, Sonderkündigung

Die Sache ist einfacher, als die meisten denken. Du brauchst drei Dinge: den richtigen Zeitpunkt, die richtige Form und einen sauberen Brief. In der Grundversorgung sind es 14 Tage Frist, bei Sonderverträgen nach März 2022 maximal ein Monat nach Ablauf der Mindestlaufzeit. Bei Preiserhöhung hast du ein Sonderkündigungsrecht. Hier steht alles, was du wissen musst.
Welche Kündigungsfrist gilt für deinen Gasvertrag?
Die Kündigungsfrist hängt davon ab, welchen Vertragstyp du hast. Das nennt sich Grundversorgung, Sondervertrag oder Ersatzversorgung. Die meisten Haushalte haben einen Sondervertrag abgeschlossen, oft ohne es zu wissen. Und genau da steckt der Haken.
| Vertragstyp | Kündigungsfrist | Wann kündbar |
|---|---|---|
| Grundversorgung | 14 Tage | Jederzeit |
| Sondervertrag (vor März 2022) | 4 bis 8 Wochen (vertragsabhängig) | Zum Ende der Laufzeit |
| Sondervertrag (ab März 2022) | Maximal 1 Monat | Nach Mindestlaufzeit jederzeit |
| Ersatzversorgung | Keine | Sofort |
Seit dem Fairer-Verbraucherverträge-Gesetz vom 1. März 2022 darf die Kündigungsfrist bei neuen Verträgen maximal einen Monat betragen, sobald die Mindestlaufzeit abgelaufen ist. Verträge verlängern sich danach nur noch auf unbestimmte Zeit (§41b EnWG). Die alte Praxis, dich automatisch um weitere 12 Monate zu binden (das nannte sich stille Verlängerung), ist damit Geschichte.
Sonderkündigung bei Preiserhöhung
Erhöht dein Anbieter den Preis, hast du ein Sonderkündigungsrecht. Das steht in §41 Abs. 5 EnWG und gilt unabhängig von der regulären Vertragslaufzeit. Die Frist beträgt 14 Tage ab Erhalt des Schreibens. Aber Vorsicht: Eine Erhöhung des monatlichen Abschlags ist keine Preiserhöhung (das nennt sich Anpassung an den tatsächlichen Verbrauch, und Anbieter nutzen genau diese Formulierung, um Sonderkündigungen abzulehnen). Nur wenn sich der Arbeitspreis pro Kilowattstunde oder der Grundpreis ändert, greift das Sonderkündigungsrecht.
Der Anbieter muss dir die Preiserhöhung mindestens einen Monat vorher mitteilen. In der Grundversorgung sind's sogar sechs Wochen. Kommt das Schreiben später, ist die Erhöhung unwirksam. Der BGH hat das im Oktober 2025 nochmal bestätigt: Preiserhöhungen ohne rechtzeitige Ankündigung nach §41 Abs. 5 EnWG sind nichtig. Kein Spielraum.
Sonderkündigung bei Umzug
Ziehst du um in ein Gebiet, in dem dein Gasanbieter nicht liefern kann, hast du ebenfalls ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt sechs Wochen zum Umzugsdatum. Leg deiner Kündigung eine Kopie der Ummeldebescheinigung bei. Manche Anbieter akzeptieren auch den neuen Mietvertrag als Nachweis. (Die Bundesnetzagentur empfiehlt Einwohnermeldeamt-Bescheinigung, weil sie eindeutig ist.)
Einige Anbieter versuchen, dir bei Umzug einen neuen Vertrag am neuen Standort anzubieten, statt dich ziehen zu lassen. Das nennt sich Vertragsübertragung, und sie verdienen daran. Du bist nicht verpflichtet, das Angebot anzunehmen. Dein Sonderkündigungsrecht besteht unabhängig davon.
Musterbrief: Gasvertrag kündigen
Hier ist ein Musterbrief, den du direkt kopieren und anpassen kannst. Er funktioniert für ordentliche Kündigungen und Sonderkündigungen. Bei Sonderkündigung ergänzt du den Grund (Preiserhöhung vom [Datum] oder Umzug zum [Datum]).
Max Mustermann Musterstraße 1 12345 Musterstadt [Gasanbieter Name] [Straße] [PLZ Ort] Musterstadt, den [Datum] Kündigung meines Gasvertrags Kundennummer: [Deine Kundennummer] Zählernummer: [Deine Zählernummer, falls bekannt] Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich meinen Gasliefervertrag ordentlich zum nächstmöglichen Termin. [Optional bei Sonderkündigung:] Alternativ mache ich von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch aufgrund der angekündigten Preiserhöhung vom [Datum] / meines Umzugs zum [Datum]. Bitte senden Sie mir eine schriftliche Bestätigung der Kündigung mit dem genauen Beendigungsdatum. Mit freundlichen Grüßen [Unterschrift] Max Mustermann
Der Anbieter muss deine Kündigung innerhalb einer Woche bestätigen (§41 EnWG). Kommt keine Bestätigung, hak nach. Per E-Mail oder Telefon reicht, aber notier dir das Datum.
Schritt für Schritt: So kündigst du richtig
- Vertragstyp prüfen: Schau in deinen Vertrag oder auf die letzte Jahresabrechnung. Dort steht, ob du Grundversorgung oder Sondervertrag hast.
- Frist berechnen: Grundversorgung 14 Tage, Sondervertrag (neu) ein Monat, Sondervertrag (alt) laut Vertrag. Sonderkündigung bei Preiserhöhung 14 Tage ab Erhalt.
- Kündigung schreiben: Nutze den Musterbrief oben. Kundennummer und Zählernummer gehören rein.
- Versandart wählen: Einschreiben kostet 2,85 Euro extra. Bei einer Kündigung mit knapper Frist ist es das wert, weil du den Zugang beweisen kannst. Bei entspannter Frist reicht ein normaler Brief.
- Bestätigung abwarten: Der Anbieter muss innerhalb einer Woche bestätigen. Kein Schreiben? Nachhaken.
Mit FrankKi kannst du die Kündigung direkt vom iPhone schreiben und per Deutsche Post verschicken. Die App formatiert den Brief nach DIN 5008, druckt ihn aus und wirft ihn in den Postkasten. Du zahlst pro Brief, kein Abo.
Was passiert nach der Kündigung?
Nach deiner Kündigung hast du zwei Optionen: Wechsel zu einem neuen Anbieter oder Rückfall in die Grundversorgung. Wechselst du nicht aktiv, landest du automatisch beim örtlichen Grundversorger. Das ist erstmal nicht schlimm (du bleibst nicht im Dunkeln), aber Grundversorgungstarife sind fast immer teurer als Sonderverträge. Deshalb lohnt sich's, direkt zu wechseln.
2024 haben über drei Millionen Haushalte in Deutschland ihren Gasanbieter gewechselt. Die Bundesnetzagentur rechnet vor, dass Verbraucher dadurch rund 2,2 Milliarden Euro gespart haben. Und ja, FrankKi kann dir auch den Wechselbrief schreiben. Aber das ist ein anderes Thema.
Häufige Fehler beim Gasvertrag kündigen
Der häufigste Fehler: Abwarten, bis der Anbieter kündigt. Passiert's aber nicht. Energieversorger haben kein Interesse daran, dich ziehen zu lassen, und sie werden dich nicht daran erinnern. Der zweithäufigste Fehler: Die Kündigung an den neuen Anbieter delegieren und sich wundern, wenn er sie vergisst. (In Foren berichten Leute von 18 Monaten Vertragsverlängerung, weil der neue Anbieter die Kündigung verpennt hat.) Bei weniger als vier Wochen bis Fristende: selbst kündigen.
Dritter Fehler: Abschlagserhöhung mit Preiserhöhung verwechseln. Eine Anpassung deines monatlichen Abschlags an den tatsächlichen Verbrauch ist kein Sonderkündigungsgrund. Nur eine Änderung des Arbeitspreises (Cent pro Kilowattstunde) oder des Grundpreises löst das Recht aus. Steht das im Zweifel im Schreiben des Anbieters.
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Frequently Asked Questions
- Welche Kündigungsfrist gilt beim Gasvertrag?
- In der Grundversorgung beträgt die Frist 14 Tage, bei Sonderverträgen ab März 2022 maximal einen Monat nach Ablauf der Mindestlaufzeit. Altverträge haben oft längere Fristen laut Vertrag.
- Brauche ich ein Einschreiben für die Kündigung?
- Nein, ein normaler Brief reicht rechtlich. Bei knappen Fristen ist Einschreiben (2,85 Euro extra) aber sinnvoll, weil du damit den Zugang beweisen kannst.
- Was ist das Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung?
- Erhöht dein Anbieter den Arbeitspreis (Cent pro kWh) oder Grundpreis, kannst du innerhalb von 14 Tagen ab Erhalt des Schreibens zum Zeitpunkt der Preiserhöhung kündigen. Eine Abschlagserhöhung zählt nicht.
- Kann ich bei Umzug sofort kündigen?
- Ja, wenn dein Anbieter am neuen Wohnort nicht liefern kann. Die Frist beträgt sechs Wochen zum Umzugsdatum. Leg eine Kopie der Ummeldebescheinigung bei.
- Was passiert, wenn ich keinen neuen Anbieter wähle?
- Du landest automatisch in der Grundversorgung beim örtlichen Grundversorger. Die Versorgung ist gesichert, aber die Tarife sind meist teurer als Sonderverträge.

Written by
Jonas KremerVerbraucherrechts-Experte at FrankKi Redaktion
Jonas hat zehn Jahre in der Verbraucherberatung gearbeitet, davon vier bei der Verbraucherzentrale NRW. Er kennt die Tricks der Vertragsanbieter und die Paragraphen, die dich davor schützen. Bei FrankKi schreibt er über Kündigungen, Widersprüche, Verbraucherschutz und alles rund um Abos und Verträge.